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  • Das Gehirn schützen

  • Feinste Blutgefässe durchziehen unser Gehirn. Lagert sich Kalk darin ab, werden die Nervenzellen nicht mehr genügend mit Blut versorgt. So können neurodegenerative Krankheiten entstehen. Annika Keller erforscht am Universitätsspital Zürich, wie dies verhindert werden kann.

  • «Endlich weiss ich, woran ich bin.»

    Sara Koller* hat eine lange Zeit der Ungewissheit hinter sich. Vor zwei Jahren bemerkte sie erstmals ein Zittern in den Armen und Beinen, später kamen Probleme mit dem Gedächtnis dazu. Heute weiss sie, was der Grund dafür ist – Morbus Fahr. Bei dieser seltenen Krankheit kommt es zu Kalkablagerungen in den kleinsten Blutgefässen des Gehirns.

    Eine Therapie, die an den Ursachen ansetzt, gibt es bis heute nicht. Zu wenig weiss man darüber, warum sich Kalk in den Gefässen ablagert. Hier setzt das Projekt von Annika Keller an, Oberassistentin an der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ): «Die Neurowissenschaften haben bisher vor allem die Nervenzellen erforscht. Das Gehirn besteht aber aus einer Vielzahl von Zellarten.» Keller und ihr Team wollen das «Ökosystem Gehirn» besser verstehen. Zentral sind dabei die Blutgefässe. Sie versorgen die Nervenzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ist der Blutfluss wegen einer Verkalkung beeinträchtigt, ist die Gefahr gross, dass auch die Nervenzellen ihre Funktion nicht mehr korrekt ausüben und neurodegenerative Krankheiten entstehen – zum Beispiel Morbus Fahr. Vielleicht spielen Verkalkungen auch bei Demenz und Parkinson mit – eine bisher kaum untersuchte Hypothese.

    «Es ist sehr wichtig, zu klären, welche Rolle Kalkablagerungen in den Blutgefässen des Gehirns spielen», sagt Annika Keller. Unterstützt wird sie durch einen Grant der Novartis Forschungsstiftung. Ziel des Projekts ist es, besser zu verstehen: Welche Zellen sind an der Verkalkung der Blutgefässe beteiligt? Kann dieser Prozess gestoppt oder gar rückgängig gemacht werden? Es gibt nämlich erste Hinweise darauf, dass Makrophagen – die Fresszellen des Immunsystems – in der Lage sind, Verkalkungen wieder abzubauen.

    Die Forschung dazu steht erst am Anfang. Trotzdem ist es für Betroffene wichtig, möglichst schnell eine korrekte Diagnose zu erhalten. Dann helfen gezielte unterstützende Behandlungen wie Physiotherapie und kognitive Therapien, die Lebensqualität zu verbessern. Davon profitiert jetzt auch Sara Koller.

    *anonymisiert/Symbolbild

    Finanzierung 100%

  • Projektleitung
  • Annika Keller Ph.D.

    Oberassistentin

    Klinik für Neurochirurgie
    Universitätsspital Zürich

  • Förderpartner
  • FreeNovation-Programm der Novartis Forschungsstiftung